Die Entwicklung auf dem Devisenmarkt hat in den vergangenen zwölf Monaten für die Quanto-Variante von Rohstoffzertifikaten gesprochen. Weil der Euro deutlich gegenüber dem US-Dollar an Wert gewann, hat aus Sicht von europäischen Anlegern die Rendite von Investments gelitten, die in US-Dollar notieren. Quanto-Zertifikate sichern gegen wechselkursbedingte Kurseinflüsse ab. Dieser Service kostet aber.

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© Martin Kolb / pixelio.de

Es ist schon ein wenig paradox: In Brüssel treffen sich heute die EU-Finanzminister, um zum wiederholten Mal über die prekäre finanzielle Situation Griechenlands zu beraten. Die Ratingagentur Standard & Poor’s hat die Bonität des hoch verschuldeten Landes auf Triple-C gesenkt, was griechischen Staatsanleihen den Status von Ramschpapieren zuweist. Auch andere Länder der Euro-Zone wandeln am finanziellen Bankrott. Und was passiert auf dem Devisenmarkt? Der Euro verteuerte sich am Morgen und notiert mit 1,4461 US-Dollar weiter auf vergleichsweise hohem Niveau. Zwar war die Gemeinschaftswährung vor wenigen Wochen schon einmal noch etwas stärker. Deutlich besser gegenüber dem US-Zahlungsmittel hatte sie in der Historie aber lediglich für einen kurzen Zeitraum vor Beginn der Finanz- und Wirtschaftskrise Anfang 2008 dagestanden.

Offenbar trauen Händler und Spekulanten der USA derzeit noch weniger zu, ihre ausufernden Staatsschulden in den Griff zu bekommen. Nicht auszudenken, welche Euro-Kurse zustande gekommen wären, gäbe es die Staatspleiten in Europa nicht. Des einen Freud ist wie so oft im Leben des anderen Leid: Wer in den USA Urlaub macht, kann sich über den teuren Euro freuen, weil man für eine Einheit der Gemeinschaftswährung mehr US-Dollar erhält und damit unterm Strich billiger einkaufen kann. Wer Anlagen in Fremdwährung getätigt hat, ist derzeit wohl weitaus weniger begeistert. So werden beispielsweise Rohstoffe in der Weltwährung US-Dollar gehandelt. Während für Privatanleger ein direktes Investment in diesem Segment – außer vielleicht bei Gold – schwierig ist, können sie seit einiger Zeit bequem per Zertifikat auf Basiswerte dieser Anlageklasse setzen. Dabei stellt sich eine wichtige Frage: Quanto oder nicht quanto?

Ein Zertifikat mit dem Zusatz „quanto“ (quantity adjusted option) befreit Anlegerinnen und Anleger von Währungsrisiken. Mit einer internen Konstruktion und gegen Gebühr eliminiert die Bank, die das Quanto-Zertifikat herausgibt, die Wechselkursschwankungen aus der Wertentwicklung des Basiswertes. Das bedeutet nicht nur, dass die Investoren keine wechselkursbedingten Nachteile erleiden können. Sie werden umgekehrt ebenso wenig an Wechselkursgewinnen beteiligt, die während der Laufzeit entstehen können. Quanto selbst ist keine eigene Produktgattung. Ob Index-, Bonus-, Outperformance- oder Expresszertifikat – sie alle können währungsgesichert angeboten werden, wenn der jeweilige Basiswert in einer Fremdwährung notiert.

Die Entwicklung auf dem Devisenmarkt hat in den vergangenen zwölf Monaten für die Quanto-Variante von Rohstoffzertifikaten gesprochen. In diesem Zeitraum wertete der Euro gegenüber dem US-Dollar um fast 18 Prozent auf. Anlegerinnen und Anleger, die vor einem Jahr non-quanto in Rohstoffe investiert haben, müssen diese Aufwertung als Währungsverlust verbuchen, würden sie diese Zertifikate heute verkaufen. Dazu ein Beispiel: Im Angebot der Commerzbank finden sich zwei open end-Trackerzertifikate auf Gold, eines mit Währungssicherung (WKN: CB2458) und eines ohne (WKN:635197).

Das Quanto-Produkt hat den Anstieg des Goldpreises mit kleinen Abweichungen eins zu eins nachvollzogen, in den vergangenen zwölf Monaten stieg der Kurs des Zertifikats um 24,1 Prozent. Beim nicht gegen Wechselkursänderungen abgesicherten Zertifikat steht hingegen lediglich ein Plus von 6,9 Prozent zu Buche. Klarer Punktsieg für die Quanto-Variante, selbst wenn man die anfallenden Quanto-Gebühren berücksichtigt.

In dem Jahr zuvor jedoch sah die Sache komplett anders aus. Im Zeitraum vom 12.06.2009 bis zum 12.06.2010 kletterte der Goldpreis – und mit ihm der Wert des Quanto-Zertifikats – um mehr als 30 Prozent. Der Gold-Tracker ohne Währungssicherung legte jedoch deutlich stärker zu, insgesamt um mehr als 50 Prozent. Hauptgrund: die seinerzeitige Schwäche des Euro, der binnen Jahresfrist um 14 Prozent gegenüber dem US-Dollar verlor. Alles also eine Frage des Einstiegszeitpunkts und des Betrachtungszeitraums.

Dass man mit quanto in den vergangenen zwölf Monaten bei Goldzertifikaten besser gefahren wäre als ohne, zeigt auch eine Analyse anhand der gemeinsamen Datenbank vom ZertifikateAnleger und dem Börseninformationsdienst ARIVA.DE. Die durchschnittliche Rendite aller Anlagezertifikate auf das Edelmetall schnitt mit Währungssicherung (+9,3 Prozent) besser ab als ohne (-4,7 Prozent).

Bei dieser Abfrage wurde nicht weiter zwischen einzelnen Produktkategorien differenziert. So sind bei den Quanto-Produkten beispielsweise auch Korridor-Bonus-Zertifikate dabei, bei denen die obere Barriere erreicht wurde, woraufhin ihr Kurs massiv eingebrochen ist. Korridor-Bonuszertifikate funktionieren in einem solchen Fall ähnlich einem Reverse-Zertifikat, Kursgewinne beim Basiswert werden in Kursverluste umgewandelt und umgekehrt. Auch Goldanleihen und Zertifikate mit begrenzter Renditechance flossen in die Analyse ein. Das erklärt, warum die Durchschnittsrendite auch bei den währungsgesicherten Zertifikaten vergleichsweise weit hinter dem Goldpreisanstieg zurückblieb.

Ob Sojabohnen, Mais, Schweinehälften oder andere Agrargüter, ob Rohöl oder Erdgas, Kupfer, Zink oder Silber – vor einem möglichen Investment in Rohstoffe sollten sich Interessenten nicht nur fragen, was sie dem Basiswert zutrauen. Sondern auch, welche Erwartungen sie an die Wechselkursentwicklung für den Zeitraum der Anlage haben.

Angesichts der Finanzprobleme einiger Länder scheint diese Frage derzeit schwieriger zu beantworten zu sein als ohnehin schon. Wie schnell sich der Wind drehen kann, haben die vergangenen Wochen gezeigt: Noch im Januar war der Euro weniger als 1,30 US-Dollar wert. Auch zu dieser Zeit war Griechenland ohne die Hilfen der anderen Euro-Staaten und des IWF übrigens schon nicht mehr zahlungsfähig.

 

Lesen Sie hierzu auch unseren Artikel "Die Wechselkurs-Absicherung hat ihren Preis".



Eike Schäfer, 14.06.11 Dieser Artikel wurde 3547mal gelesen.